Über die Stockhaltung oder die Unendliche Geschichte...

Aktualisiert: Juli 30


Sieht man sich verschiedene Schlagzeuger der absoluten Weltklasse wie Thomas Lang, Keith Carlock oder Steve Smith genauer an, fällt einem Eines sofort auf: obwohl alle auf dem höchsten Niveau trommeln, finden sich unzählige Varianten von Arten, die Sticks zu halten.


Ich möchte hier versuchen, einige Antworten zu geben auf die große Frage - Wie halte ich meine Sticks eigentlich "richtig"?


Die Anführungszeichen sind von daher angebracht, da es die korrekte oder ideale Stockhaltung so nicht gibt. Auch wenn die menschliche Anatomie im Groben sehr ähnlich ist, gibt es hier individuell unterschiedliche Gegebenheiten, auf die man eingehen muss, damit ein in erster Linie als harmonisch empfundenes Spiel am Set möglich ist. Einer meiner Schüler kann aufgrund eines Autounfalls sein linkes Handgelenk nicht mehr bewegen - und muss nun in seiner Technik Arm und Finger kombinieren. Dies funktioniert sehr gut und geht über reine Kompensation hinaus.


Neben anatomischen Voraussetzungen spielt es auch eine große Rolle, welche Vision man musikalisch hat. Die Stockhaltung und Spielweise beeinflusst nämlich direkt den Groove, das Feel und den Sound.


Ein Beispiel hierfür: Als ich einmal im Studio einen Groove eintrommelt sollte mit extrem lauten, gleichmäßigen und statischen Achteln mit der rechten Hand auf der Hihat á la "The Hives", hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sich meine Standard-Haltung dafür komisch anfühlte.


Ich probierte kurz die unkonventionelle "Neandertaler"-Haltung aus - hier wird der Stick komplett umschlossen von der Hand, ohne den Daumen an den Stick zu legen. Dies ermöglichte eine brachialere und größere Bewegung aus dem Arm und machte das Spielen der "Brutalo-Achtel" definitiv leichter. Diese Haltung wird auch "Ancient Grip" genannt. Beim Basler Trommeln wird der Stock rechts so gehalten (Bild siehe unten).















1. Basishaltungen


Grundlegend müssen wir erst einmal die beiden Haupthaltungen unterscheiden - den "Matched Grip" (starke Hand, Bild links/ mobil: unten) und den sogenannten "Traditional Grip" (schwache Hand, Bild rechts/ mobil: oben). Hierzu wollen wir die erste der drei möglichen Positionen anwenden, die "German Position". Dies bedeutet, dass die Handrücken parallel zum Boden sind. Wir haben nun also Matched Grip in der German-Position. Die Position wird oft auch als Grip bezeichnet - um hier Missverständnisse zu vermeiden, verzichte ich darauf.












Der Matched Grip ist eine symmetrische Haltung - beide Hände sind quasi gespiegelt in der Mitte. Die Sticks liegen hierbei etwas schräg in der Hand - dafür einfach den kleinen Finger ganz über den Stick legen. Die Sticks sind somit also keine direkte Verlängerung des Armes in gerade Linie und bilden ein "Hausdach".


Die Hände bewegen sich gerade nach oben und unten über das Handgelenk. Hierbei ist es wichtig, die Handposition nicht nach links oder rechts zu verlagern, da dadurch Anspannung entsteht, die die Bewegung erschwert. Wichtig ist es auch, genug Platz vor dem Körper zu lassen - so als würde man um ein Fass herumspielen. Dadurch entsteht die kraftvolle "Powerhouse"-Position der Arme.

Ein wichtiger Faktor ist bei allen Haltungen, dass die Finger immer Kontakt zum Stick haben sollten, um stets kontrolliert und effektiv spielen zu können. Das Wegstrecken einzelner Finger ist eine unnötige schlechte Angewohnheit und beeinflusst das Spiel meist nur negativ.


Wie bei fast Allem gibt es hier natürlich Ausnahmen - Horacio "El Negro" Hernandez macht nämlich genau dies und spielt dennoch sowohl technisch und musikalisch auf allerhöchstem Level...


Bei ihm kommt das Wegstrecken der hinteren Finger vermutlich davon, dass er oft nur die Achse über Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger für mehrfache Schläge verwendet ("Buzz-Roll") und die restlichen Finger hier sozusagen stören - durch das Wegstrecken der Finger ist der Stick frei und kann sich bewegen. Bei der Ausführung des Buzz-Rolls verwenden viele Drummer nur die ersten drei Finger, wobei der Druck des Mittelfingers die Anzahl der Rebound-Schläge bestimmt. Als ich vor vielen Jahren einmal einen Workshop von Chad Wackermann (Frank Zappa, Allan Holdsworth) besuchte, führte er eindrucksvoll vor, wie genau man über den Druck des Mittelfingers exakt nahezu jede erdenkliche Anzahl von Rebound-Schlägen aus einem Hauptschlag generieren kann.





Im Traditional Grip halte ich den Stick mit der linken Hand nicht von oben, sondern von unten. Es handelt sich hier also um eine asymmetrische Haltung, da rechts und links verschieden sind.


Der Stick liegt in der Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger und führt von dort in den Zwischenraum zwischen Mittelfinger und Ringfinger. Somit befinden sich Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger über dem Stick sowie Ringfinger und der kleine Finger unter dem Stick (siehe Weckl: "Cradle Position"). Mit Traditional Grip richtig laute und konstante Rimshots zu spielen, erfordert eine sehr gute Technik. Aufgrund der Haltung von unten ist die Ausführung deutlich schwerer.


Es gibt jedoch auch einige Heavy Hitter wie Nick Pierce, die die Herausforderung angenommen haben:






Der Traditional Grip erzeugt ein anderes Spielgefühl und ermöglicht unter anderem eine veränderte Nutzung des Rebounds. Viele Traditional Grip-Drummer neigen die Snare unten nach vorne, teils auch schräg nach rechts, um den optimalen Winkel für die Schläge zu erreichen.


Durch die andere Positionierung der linken Hand verschiebt sich die Haltung des Oberkörpers - oft sieht man Drummer dann "schief" sitzen wie hier den großartigen Jojo Mayer:




Jojo Mayer




Diese Haltung entwickelte sich beim Militär, da die Trommeln seitlich links an der Hüfte des Soldaten befestigt wurden, um im Ernstfall auch mit Snaredrum vor dem Feind wegrennen zu können oder sich in unwegsamem Gelände besser bewegen zu können. Um so einseitig mit beiden Händen einigermaßen komfortabel zu spielen, musste der linke Stick - auch aufgrund der Neigung der Trommel - anders gehalten werden.


Der Schlag wird hierbei nicht aus dem Handgelenk erzeugt, sondern über den Einsatz von Ober- und Unterarmbewegungen (große Bewegungen) und/oder die Drehung von Elle und Speiche (kleinere Bewegungen) oder den Fingern (kleinste/schnellste Bewegungen).


Die geänderte, grundsätzlich ungünstige Schiefhaltung des Oberkörpers kann muskulär aufgefangen werden und muss nicht immer zu Beschwerden führen. Viele Drummer spielen ihr ganzes Leben lang auf diese Weise und haben keine gesundheitlichen Probleme.


Andererseits haben einige der ganz Großen von Traditional auf Matched gewechselt - Thomas Lang zum Beispiel. Er hatte nach 35 Jahren (!!!) Traditional Grip festgestellt, dass er in der Praxis mit Matched Grip noch wesentlich effektiver und genauer spielen kann aufgrund der Symmetrie. Er verwendet mittlerweile live und im Studio nur noch Matched Grip.



Mehr dazu hier von ihm im Video:




2. Weitere Positionen


Hierbei wollen wir den Fokus vor allem auf Matched Grip legen. Spielt man Matched Grip in der German Position, kann man sehr gut aus dem Handgelenk spielen. Möchte man aber die Finger auch einsetzen, behindert der ungünstige Winkel das Spiel.


Die beste Position, um die Finger zu nutzen, ist die French Position. Hierbei zeigt der Daumen nach oben, wobei sich die Finger leicht eingekrümmt und nicht ausgestreckt unter ihm befinden. Die Finger liegen mit kleinen Lücken wie auf der Geige am Stick (Ende des ersten Fingergliedes ist am Stick). In dieser Position gehen die Ellbogen etwas weiter nach außen. Die Hände befinden sich direkt vor und näher am Körper zeigen nach vorne.


Will man in unterschiedlichen Dynamikstufen spielen, wird Druck zwischen Daumen und Zeigefinger benötigt. Spielt man in einer gleichbleibenden Lautstärke wie bei Blast Beats, kann der Zeigefinger auch ausgestreckt werden. Er liegt locker am Stick, ohne Druck auszuüben. Somit findet die Bewegung des Sticks über die Achse Daumen und die letzten drei Finger statt (Flying Fingers Technique - Marco Pitruzella). Zur generellen Bedeutung des Zeigefingers später mehr.


Dave Weckl warnt in seinem Lehrvideo "A Natural Evolution - How to Develop Technique" davor, in French Grip aus dem Handgelenk zu spielen, da diese Bewegung unnatürlich ist und zu Beschwerden führen kann. Hier ist entscheidend, wie groß die Bewegung aus dem Handgelenk ist - kleine Bewegungen sind so auch möglich, von größeren ist eher abzuraten.






Möchte man nun sowohl Handgelenk und Finger nutzen, ist die American Position die beste Wahl. Sie ist die Zwischenstufe zu den anderen beiden Positionen. Hier neigen sich die Handrücken im 45 Grad Winkel zur Seite. Dadurch ist es möglich, Handgelenk und Finger gleichermaßen effektiv zu nutzen.


Dadurch können zum Beispiel Akzente (Handgelenk) mit unakzentuierten Doublestrokes (Handgelenk + Finger) kombiniert werden. Auch das Spielen von "Velocity Strokes" (Handgelenk & Finger) wie beim Single Stroke Four gelingen so einfacher.


Werden die Akzente aus dem Arm gespielt, bietet sich eher die French Position an. Allgemein muss immer beachtet werden, in welchem "Gang" gespielt wird, da dies in erster Linie die Position beeinflusst - hier gilt: große Armbewegungen eher mit French Grip, Handgelenksbewegungen mit German/American, Fingerbewegungen mit French Grip/American. Es gibt insgesamt vier Gänge - aus dem ganzen Arm bis über Schulter, Unterarm, Handgelenk und Finger (langsam und laut zu schnell und leiser).


Marco Minnemann berichtet bei seinen Clinics, dass er nach dem Studium der Bücher von Gary Chaffee, die sich auch sehr umfassend mit Finger Control befassen, als Grundhaltung French Grip benutzte und in erster Linie aus den Fingern spielte. Dabei hatte er immer das Problem, dass Akzente dabei aus dem Arm gespielt werden müssen, was in der Praxis in Kombination mit der Finger-Technik sehr schwierig umzusetzen ist.

Eines Tages traf er dann Jim Chapin, der ihm den Tipp gab, die Hand nach innen etwas einzudrehen (American Grip), da so gleichzeitig Akzente aus dem Handgelenk und Finger-Action möglich ist. Dies eröffnete ihm ganz neue Möglichkeiten.



3. Stickhaltung vorne zwischen dem Daumen und Zeigefinger vs. hinten zwischen dem Daumen als Achse, den letzten drei Fingern und Handinnenfläche // What about the Zeigefinger?


Werden die Sticks tendenziell eher vorne gehalten, kann über den Druck zwischen Daumen und Zeigefinger eine höhere Kontrolle gerade bei Doublestrokes in schnellen Tempi erreicht werden (Tommy Igoe sagt hierzu immer "You have to squeeze it!"). Dieses Pressen funktioniert zwar, ist aber eigentlich nicht nötig.


Im Vergleich hierzu bietet die Haltung über die letzten drei Finger der Hand in Kombination mit dem Daumen als Achse noch wesentlich mehr Vorteile - zumindest meiner Meinung nach. Die Anspannung der vorderen Haltung fällt weg, da der Zeigefinger nur als Führungsfinger ausgestreckt schräg über den Stick läuft. Der Daumen kann hierbei ganz locker am Zeigefinger andocken und gibt dem Stock vorne Halt, ohne dass Druck vorhanden ist. Ein weiterer Vorteil des fehlenden Drucks vorne ist, dass der Rebound in keinster Weise gestoppt wird.


Durchlaufende Schläge werden hier ähnlich wie im Basketball durch "Dribbeln" ohne Ausholen erzeugt (Full Strokes/Taps). Den ausgestreckten Zeigefinger sieht man immer häufiger, da diese Haltung bei immer mehr Drummern Anklang findet. Die vielbeschworene Lücke zwischen Daumen und Zeigefinger kann getrost vergessen werden, da dies absolut unnötig ist.


Der geschätzte Kollege Patrick Metzger hat in der STICKS einige Artikel über die Rolle des Zeigefingers geschrieben (pic von Facebook/Patrick Metzger):






Diese Variante ermöglicht die gleiche Kontrolle über den Stick, führt zusätzlich aber zu einem wesentlich entspannteren Spiel und ermöglicht es, auch sehr laut und hart zu spielen, ohne dass die Schlagenergie in den Arm geht - diese wird vom Stick absorbiert, da dieser auf der weichen Handfläche hinten anliegt und locker von den Fingern umschlossen wird. Das beste Beispiel für diese Art der Haltung ist der legendäre Tony Williams - er spielte sowohl Matched Grip als auch Traditional Grip, je nachdem, welche Art der Haltung er gerade für musikalisch sinnvoll erachtete.


Die "Back of the Hand"-Variante ermöglicht auch den optimierten Einsatz der Moeller-Technik, da die Grundschläge Full Stroke, Downstroke, Tapstroke und Upstroke effektiver ausgeführt werden können.


Gerade beim Moeller-Upstroke, bei dem die Aufwärtsbewegung hinten am Stock passiert und nicht vorne, ist diese Haltung ideal ("Cobra-Haltung", Abknicken des Handgelenks nach oben in "Puppenspieler"-Manier mit aufeinanderfolgender Peitschenbewegung a.k.a. "Moeller Whip").


Dies gilt auch für die "Mr. Freeze"-Stopbewegung beim Downstroke sowie die Push-Pull-Technik ("One-handed-Roll"). Auch beim Tap- und Fullstroke ermöglicht die Haltung, der natürlichen Rebound-Bewegung des Stockes zu folgen - man arbeitet mit den Sticks und nicht gegen sie ("Aus dem Fell heraus spielen")


Ein Hauptfokus beim Entwickeln der eigenen Spielweise sollte der Druck zwischen Daumen und Zeigefinger in der jeweiligen Technik sein - hier gilt so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Bei der "Back of the Hand"- Haltung ist hier wie schon erwähnt keinerlei Druck erforderlich, aber dennoch möglich wenn verlangt.


Ein ideales Werkzeug, um die "Back of the Hand"-Haltung zu erlernen, ist das Üben mit den "Hingestix" von Sam Ruttenberg. Durch eine simple Bohrung wird ermöglicht, trotz Festhalten des Sticks vorne das Spielgefühl der hinteren Haltung zu erleben. Diese Stöcke "zwingen" den Spieler gewissermaßen, auf den Verlust des Druckpunktes vorne zu reagieren und die Kontrolle über die restlichen Finger auszuführen - so kann die Technik relativ einfach umgestellt werden.





4. Finger grundsätzlich geschlossen vs. Finger offen


Das Paradebeispiel für eine ungewöhnliche Weise der Handtechnik ist Keith Carlock. Er hat seine Technik durch das Kennenlernen der Moeller-Spielweise an der North Texas State University beim Jazz-Professor Ed Soph umgestellt.


So kam er von einer sehr rigiden, den Rebound vernachlässigenden Old-School-Drumline-Technik zu einer offenen, eher soundorientierten Herangehensweise. Das Besondere ist, dass er die Hand nahezu ständig ausgestreckt hält, als würde er jemand die Hand schütteln. Dadurch sind sehr sensitive Bewegungen möglich und die Hand ist durch die offene Grundhaltung sehr locker.


Ein Festhalten des Sticks hinten ist jedoch auf diese Weise nicht möglich. Alles läuft also zentral über Daumen und Zeigefinger als Achse - die Finger sind hier am meisten beschäftigt.


Hier gilt - ausprobieren und schauen was sich besser anfühlt.






5. Wie genau platziere ich den Stick in der Hand - eher vorne oder weiter hinten?


Die Antwort auf diese Frage ist ebenfalls komplex. Grundsätzlich gilt, dass der perfekte Punkt der Achse, über den der Stick läuft (also Daumen/Zeigefinger oder nur Daumen), sich am Start des letzten Drittels des Sticks befindet. So am "Perfect Balance Point" gehalten, wird der höchste Rebound erzielt. Ich persönlich habe den Stick auch genau an diesem Punkt.


Bewegt man die Hand etwas nach vorne, wird der Stick gefühlt leichter. Bei den Schlägen fehlt es an Gewicht.

Bewegt man die Hand weiter nach hinten, wird der Stock schwerer. Hier muss man etwas mehr arbeiten, um den Stock zu bewegen. Einige Drummer mögen allerdings dieses "gravitätische" Feeling und nutzen diese Haltung, um mit mehr Power spielen zu können. Peter Erskine hält den Stock beispielsweise mit der linken Hand relativ weit hinten in Traditional Grip , um mit kleinen Bewegungen kraftvoll spielen zu können.






6. Bewegungen über das ganze Kit - ändert sich die Stockhaltung dabei?


Zuerst muss man sagen, dass es natürlich möglich ist, die Snaredrum-Grundhaltung beizubehalten - egal wo man am Drumkit spielt. Dies macht aber anatomisch, ergonomisch und energetisch keinen wirklichen Sinn.

Je weiter nach außen ich mich bewege, desto weniger macht es Sinn, German Grip zu benutzen. Probiert es mal aus - diese Haltung fühlt sich sehr unnatürlich und anstrengend an.


Hat man das Ride sehr weit rechts, ist der optimale Grip dafür American Grip (Handgelenk + Finger) oder French Grip (Arm + Finger). Grundsätzlich gilt: American Grip funktioniert am ganzen Kit, ebenso French Grip.


Bei Pendelbewegungen zwischen einzelnen Teilen des Drumkits gibt es noch eine Besonderheit. Spiele ich zum Beispiel einen Schlag mit rechts auf der Snare und anschließend einen auf dem Standtom, muss ich nicht den ganzen Arm in Richtung Standtom bewegen sondern kann die Drehung des Armes nutzen - ähnlich wie Vorderhand und Rückhand im Tennis. Hier entsteht also ein neuer Grip - man hält den Stick dann so für den Schlag auf dem Standtom, dass der Handrücken zum Boden zeigt. Durch die Drehung nach rechts ist eine Änderung des Schlagwinkels um 90 Grad möglich, wodurch das Standtom perfekt erreicht werden kann. Diese Bewegung funktioniert quasi wie ein Scheibenwischer von links nach rechts.


Spiele ich zwei Schläge auf der Snare RL und dann RL auf dem Standtom, spielt die rechte Hand den ersten Schlag mit Handrücken oben, die linke den zweiten mit Handrücken unten, dann auf dem Standtom die rechte Hand mit Handrücken unten und schließlich die linke wieder mit Handrücken oben. Hier habe ich einen festen Punkt in der Mitte zwischen der Snare und er Standtom, an dem sich die Hände befinden. Ich bewege die Arme nicht von der Stelle, sondern drehe sie nur, um die unterschiedlichen Handpositionen zu erreichen. Das spart Bewegung und Energie und erleichtert den Spielfluss, da sich die Hände nicht im Weg sind.



7. Fazit


Letztlich muss jeder Drummer für sich selbst entscheiden, ob er mit Traditional Grip oder Matched Grip besser dran ist. Technisch betrachtet kann die linke Hand auch in Traditional Grip perfekt agieren (wie man bei Vinnie Colaiuta in Vollendung sehen kann).


Es geht konkret darum, wie man sich in den verschiedenen Haltungen fühlt und ob man sich körperlich oder auch geistig-kreativ durch die Haltung in seinem Schlagzeugspiel eingeschränkt oder eher beflügelt sieht.

Jojo Mayer hat es so beschrieben, dass die linke Hand durch die andere Positionierung gewissermaßen eine andere Rolle als die rechte einnimmt und somit eher ein emotional-seelischer Dialog stattfinden kann - bei ihm ist es fast schon ein philosophischer Ansatz, sich für Traditional zu entscheiden.


Im genauen Wortlaut klingt das bei ihm so:


"In principle, traditional grip is a consequence of symmetry. Our bodies look symmetrical, but our souls, our emotions are not symmetrical. We have a left and a right personality. Symmetry is fascinating, it's nice. We perceive symmetrical things as nice: a diamond, a butterfly etc... and it's all very fascinating, but a tad boring (*laughter*). The concept of contrast and dichotomy is very interesting for me, from an artist's perspective. Take for instance... bright, dark... cold, warm... male, female... sweet, hot... loud, quiet... thin, fat... day, night... left, right. By playing traditional grip, I give the right side of my body something like its own identity."



Also - wer sich von seiner Persönlichkeit lenken lässt und in sich hinein horcht, findet auch die individuell passende Stockhaltung.



Abschließend Traditional Grip in Perfektion bei Vinnie Colaiuta:




Bis demnächst,


Jan



Literaturtipps:


The Anatomy of Drumming (John Lamb)






Bill Bachman - Stick Technique








Steve Smith - Pathways of Motion









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